Die Geschichte des Wildberger Gruben- und Hüttentals

Die Orte Wildberg, Bergerhof und Wildbergerhütte sind seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden. Ihre gemeinsame Geschichte wurde vor allem durch den Bergbau geprägt. Das sogenannte Wildberger Revier gehört zu den ältesten Erzabbaugebieten Deutschlands und kann auf eine fast tausendjährige Tradition zurückblicken.

Bereits lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung wurden in Wildberg Erze abgebaut. Einen wichtigen Hinweis darauf liefert eine Urkunde Kaiser Friedrich Barbarossas aus dem Jahr 1167, in der die Silbergruben des Reichshofes Eckenhagen ausdrücklich erwähnt werden. Damit wird deutlich, welch große Bedeutung der Bergbau schon damals für die Region hatte.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa schenkt 1167  u. a. den Reichshof Eckenhagen

 

Karte von Arnold Mercator - 1575 des Bergischen Amtes Windeck und der Herrschaft Homburg

Ausschnitt des Wildberger Reviers ("Willbergh") mit Kapelle, Erzgrube und Schmelzhütten

 

Schiedsspruch über Streitigkeiten u. a. wegen Münzstätten. 1258- Erstnennung Wildberg

Aus dem Bergbau entwickelten sich auch die umliegenden Orte. Der Name „Bergerhof“ weist vermutlich auf einen ehemaligen Bergherrenhof hin, während „Wildbergerhütte“ auf die Schmelzhütte zurückgeht, in der die Erze verarbeitet wurden. Mit Hilfe der Wasserkraft entstanden im Tal leistungsfähige Hütten- und Hammerwerke. Die Erzgruben, Schmelzhütten und die enge Verbindung zwischen den Dörfern prägten über viele Jahrhunderte das Leben der Menschen.

Eine historische Karte von Arnold Mercator aus dem Jahr 1575 zeigt bereits deutlich die Kapelle von Wildberg, die Erzgruben sowie mehrere Schmelzhütten entlang des Baches. Das gesamte Gebiet war wirtschaftlich eng auf die Grube ausgerichtet. Ging es dem Bergbau gut, profitierten die Menschen in allen umliegenden Orten.

Wildbergerhütte-Ehrenmal für die Gefallenen     Wildberg - Kapelle St. Martin        Bergerhof - Kirche St. Bonifatius                                                                                                                                                                              

Doch die Geschichte des Reviers war auch von Krisen geprägt. Kriege, Pest und Hungersnöte – besonders während des Dreißigjährigen Krieges – führten immer wieder zu schweren Rückschlägen. Die Gruben verfielen zeitweise, viele Menschen litten unter Not und Unsicherheit. Dennoch gelang es den Bewohnern immer wieder, den Bergbau neu aufzubauen.

 

 

Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte das Wildberger Revier nochmals eine Blütezeit. Silber wurde reichlich gefördert, viele Männer arbeiteten als Bergleute und die Grube Wildberg galt zeitweise als größter Arbeitgeber der Region. Die Arbeit war jedoch hart und gefährlich, und das „Bergglück“ wechselte oft zwischen Hoffnung und Enttäuschung.Mit der endgültigen Schließung der Grube im Jahr 1910 beziehungsweise 1911 endete die lange Bergbaugeschichte des Wildberger Reviers. Für viele Familien bedeutete dies einen schweren Einschnitt. Zahlreiche Menschen mussten ihre Heimat verlassen, um anderswo Arbeit zu finden.

 

 

WILDBERGERHÜTTE
WILDBERGERHÜTTE

Trotzdem blieb die Erinnerung an diese Zeit lebendig. Noch heute erinnern Spuren in der Landschaft, alte Wege, Flurnamen und das Ehrenmal auf dem Mühlenberg an die große Bergbautradition des Gruben- und Hüttentals. Das Ehrenmal selbst wurde 1926 aus dem Kamin einer ehemaligen Schmelzhütte errichtet und verbindet die Erinnerung an den Bergbau mit dem Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege.

 

WILDBERGERHÜTTE
WILDBERGERHÜTTE

Neben der Arbeit spielte auch das gemeinschaftliche Leben stets eine große Rolle. Schon früher trafen sich die Menschen zum gemeinsamen Singen und Erzählen. Aus dieser Tradition entstanden Chöre und Vereine, darunter der Kirchenchor „Cäcilia“ sowie der Männergesangverein „Glückauf-Bergerhof“ bzw. später „Glückauf-Sangeslust“ Wildbergerhütte. Bis heute gehört das Singen zum kulturellen Leben der Region und verbindet die Menschen mit ihrer Geschichte.

So stehen Wildberg, Bergerhof und Wildbergerhütte bis heute für eine lebendige Gemeinschaft, deren Wurzeln tief in der Geschichte des Bergbaus, der Hüttenarbeit und der gemeinsamen Kultur verankert sind.

 

Glück auf !  (Hermann-Josef Schuh)


Wildberg
Wildberg
Bergerhof
Bergerhof