Die Geschichte von Wendershagen im "Ellinger Grund“
Wendershagen liegt im Bergischen Land, eingebettet in die waldreiche Landschaft des Wildenburger Landes. Die abgeschiedene Lage fern großer Verkehrswege prägte über Jahrhunderte das Leben der Menschen. Trotz aller Veränderungen konnte sich der Ort viele traditionelle Eigenarten bewahren – in Sprache, Brauchtum, Lebensweise und Dorfgemeinschaft. [i]

Frühe Geschichte und Herkunft
Die Ursprünge Wendershagens reichen bis in die fränkische Frühzeit zurück. Der Name des Dorfes verweist auf einen eingehegten oder geschützten Platz im Wald. Die Region gehörte über lange Zeit zu wechselnden Herrschaftsgebieten zwischen Homburg, Berg und Wildenburg. Dadurch entstanden immer wieder Grenzstreitigkeiten und Veränderungen der Besitzverhältnisse. 1492 wird ein Wolff Johann von Wenderßhain in Akten über Gebrechen zwischen Berg und Sayn-Homburg erstmalig genannt.[i]
Der heutige „Ellinger Grund“ war früher kein einheitlicher Bereich. Zeitweise gehörten einzelne Orte unterschiedlichen Herrschaften an. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Wendershagen schließlich Teil des bergischen Amtes Windeck.
Besonders bedeutend war das Gut Ellingen, dessen Ursprung vermutlich bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückreicht. Mehrere Adelsfamilien prägten die Geschichte des Gutes, darunter die Familien Dietzenkausen und später von Ley. Die Herren von Ley besaßen über Generationen hinweg die Burg Ellingen und hinterließen deutliche Spuren im kirchlichen und politischen Leben der Region.

Kriegszeiten und schwierige Jahre
Wie viele Orte im Bergischen Land blieb auch Wendershagen von Kriegen und deren Folgen nicht verschont. Bereits im Mittelalter führten Plünderungen, Gewalt und Brandschatzungen zu großen Belastungen für die Bevölkerung. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde kirchlicher Besitz so stark geschädigt, dass Teile davon verkauft werden mussten.
Auch die französischen Revolutionskriege sowie die Befreiungskriege brachten schwere Zeiten. Einquartierungen von Soldaten, Abgaben und Zwangsleistungen belasteten die Menschen stark. Erst nach dem Wiener Kongress kam die Region unter preußische Verwaltung, wodurch eine Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwungs begann. Neue Verkehrswege und später die Eisenbahn verbesserten die Verbindung zur Umgebung.
Die beiden Weltkriege hinterließen tiefe Spuren im Dorfleben. Viele Männer kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Die Gefallenen und Vermissten werden bis heute im Ort in Erinnerung gehalten.

Gemeinschaftssinn und Vereinsleben
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in den Dörfern ein starkes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zusammenhalt. Ein einschneidendes Ereignis war der große Brand in Oberellingen im August 1921. Die gemeinsame Hilfe der Bewohner zeigte, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung waren.
Aus diesem Gemeinschaftsgeist entstand noch im selben Jahr die Freiwillige Feuerwehr Wendershagen. Wenige Jahre später bildete sich aus regelmäßigen Treffen musik- und gesangsbegeisterter Männer und Jugendlicher der Männergesangverein Wendershagen. 1928 wurde der Verein offiziell gegründet; seit 1947 trägt er den Namen „Harmonie“ Wendershagen. Bis heute ist die Chorgemeinschaft ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens im Dorf.



Fortschritt und Entwicklung im 20. Jahrhundert
In den 1920er Jahren begann die Modernisierung der Region. Ellingen erhielt elektrisches Licht, neue Straßen verbesserten die Verkehrsanbindung und Oberellingen wurde an die Provinzialstraße Morsbach–Waldbröl angeschlossen.
Ein weiterer Meilenstein war der Bau der Christ-König-Kirche in Oberellingen. Nachdem der alte Kirchenbauverein 1926 wiederbelebt worden war, konnte bereits 1927 der Grundstein gelegt werden. Die Einweihung der Kirche erfolgte 1929. Für die Menschen bedeutete dies eine große Erleichterung, da Gottesdienste nun vor Ort gefeiert werden konnten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Dorfleben stark. Viele Bewohner fanden Arbeit in Industrie- und Handwerksbetrieben der Umgebung. Gleichzeitig verbesserten sich Infrastruktur und Versorgung: Straßen wurden ausgebaut, ein Postbus fuhr erstmals 1957 durch den Ort und 1958 begann der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung.
Besonders prägend war die Flurbereinigung in den 1960er Jahren. Landwirtschaftliche Flächen wurden neu geordnet, Wirtschaftswege und Straßen ausgebaut und moderne Bewirtschaftungsmethoden ermöglicht. Dadurch veränderte sich das Landschaftsbild ebenso wie die Arbeitsweise in der Landwirtschaft.

Wandel der Landwirtschaft und des Dorfes
Über viele Jahrzehnte war Wendershagen stark landwirtschaftlich geprägt. Mit dem technischen Fortschritt veränderten sich jedoch Arbeitsabläufe und Betriebsgrößen grundlegend. Moderne Maschinen ersetzten die schwere Handarbeit, kleinere Höfe verschwanden zunehmend oder wurden aufgegeben.
Gleichzeitig wandelte sich auch das wirtschaftliche Leben im Dorf. Lebensmittelgeschäfte, Schmieden, Schreinereien und andere traditionelle Betriebe schlossen nach und nach ihre Türen. Dafür entstanden neue Gewerbebetriebe und Dienstleistungsunternehmen.
Trotz dieser Veränderungen blieb Wendershagen ein lebendiger Ort. Neue Wohnhäuser entstanden, die Einwohnerzahl wuchs und zahlreiche Vereine prägten weiterhin das gesellschaftliche Leben. Besonders die Dorfgemeinschaft engagierte sich seit den 1980er Jahren für die Verschönerung des Ortes. Dazu gehörten Dorfplatzgestaltung, Verkehrsberuhigung, Pflanzaktionen, Brunnenanlagen und viele gemeinschaftliche Arbeitseinsätze.
Die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ brachte Wendershagen mehrere Auszeichnungen ein und bestätigte die positive Entwicklung des Dorfes.

Wendershagen heute
Auch wenn sich die Lebens- und Arbeitswelt im Laufe der Zeit stark verändert hat, ist die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat bis heute spürbar. Traditionen, Vereine und gemeinschaftliches Engagement spielen weiterhin eine große Rolle.
Wendershagen verbindet heute Geschichte und Moderne: Die Erinnerung an frühere Generationen, die Pflege von Brauchtum und Musik sowie das aktive Dorfleben prägen den Ort ebenso wie neue Entwicklungen und moderne Infrastruktur. Gerade die starke Gemeinschaft macht Wendershagen bis heute zu einem besonderen Teil des Bergischen Landes.
(Hermann-Josef Schuh)
Quellen:
Festbücher des Vereins
[i] Pampus Klaus: Beiträge zur Oberberg. Geschichte Bd. 4, 1993

